Kleine Anfrage Kiesabbau oder Römerlager?

Kiesabbau oder Römerlager?

Anfrage der Abgeordneten Eva Viehoff, Dragos Pancescu, Christian Meyer und Belit Onay (GRÜNE), eingegangen am 18.03.2019

In der HAZ vom 26.02.2019 wurde über ein Römerlager aus ca. dem Jahr 5 n. Chr. in der Region Hannover berichtet. Die Fläche bei Hemmingen ist im Landes-Raumordnungsprogramm als Vor­ranggebiet für Kiesabbau vorgesehen. Bürgerinnen und Bürger machen sich Sorgen, dass ein ge­planter Kiesabbau diese historische Stätte für immer zerstören könnte. Der Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf spricht in einem Interview von einem „hochrangigen Denkmal. Es handelt sich um das am weitesten nordöstlich gelegene römische Marschlager, das wir kennen, und um das bislang einzige in Niedersachsen. Wir haben die Befestigungsanlagen nachgewiesen, und wir haben Münzen, Teile von Pferdegeschirr und persönlicher Ausrüstung von Legionären entdeckt. (...) Wir haben erst einen kleinen Teil der Fläche erforscht. Der Erhalt des Geländes hat für uns daher Priorität.“ (HAZ vom 26.02.2019). Der Kiesabbau ist noch nicht genehmigt, aber beantragt. Die Region wartet laut Presseberichten auf eine Einschätzung des Landes zur Bedeutung der Stät­te und eine Änderung des Landes-Raumordnungsprogramms (LROP). 2017 hatte das zuständige Raumordnungsministerium bei Bekanntwerden der Funde eine Änderung des LROP und eine Streichung des Vorranggebietes Kiesabbau angekündigt.

Auf der NOZ-Titelseite vom 14.03.2019 („Varusschlacht oder nur Kampfplatz - Wissenschaftler schätzen Funde in Kalkriese neu ein und halten Diskussion offen“) wird von einem führenden Wis­senschaftler auch eine Neueinschätzung der Funde in Kalkriese zur Varusschlacht vorgenommen und darauf verwiesen, dass es sich dort möglicherweise um ein römisches Marschlager gehandelt habe. Von internationalen Wissenschaftlern wird daher die Bedeutung der Fläche bei Hemmingen für die Geschichtsforschung unterstrichen, da sie den Aufmarsch der Römer im damaligen Germa­nien erhellen könnte.

1. Inwieweit teilt die Landesregierung die Auffassung des Mitarbeiters der Landesdenk­malschutzbehörde, dass es sich beim Römerlager Wilkenburg um ein „hochrangiges Denkmal“ handelt und dass der Erhalt des Geländes Priorität habe (siehe HAZ vom 26.02.2019)?

2. Inwieweit erachtet die Landesregierung es für sinnvoll, eine großangelegte und umfas­sende Forschungsgrabung zur Sicherung des Römerlagers Wilkenburg zu finanzieren und durchzuführen?

3. Erfolgt eine Änderung des Landes-Raumordnungsprogramms, um einen Kiesabbau im Bereich des Römerlagers Wilkenburg zu untersagen und das Bodendenkmal als histo­rische Stätte dauerhaft zu schützen?

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