Kleine Anfrage Polizistinnen und Polizisten mit Migrationshintergrund

Anfrage der Abgeordneten Belit Onay und Dragos Pancescu (Bündnis 90/Die Grünen) an die Landesregierung     

In seiner Ausgabe vom 20.02.2019 berichtete das Politik-Journal RUNDBLICK: „Ausländische Bewerber haben es schwerer bei den Polizeianwärtern“. In Niedersachsen liege der Anteil der Bewerber*innen mit Migrationshintergrund für eine Stelle bei der Polizei mit 21 Prozent annähernd proportional zum Gesamtanteil aller in Niedersachsen lebenden Bürger*innen mit Migrationshintergrund. Die Polizeianwärter*innen mit Migrationshintergrund machten jedoch nur 12,1 Prozent aller Polizeibediensteten aus. Damit gehöre Niedersachsen im Bundesvergleich zu den Ländern, in denen proportional weniger Menschen mit Migrationshintergrund bei der Polizei arbeiten als es in der Bevölkerung gibt. Nur Berlin und Sachsen-Anhalt hätten mehr Bewerber*innen und mehr Einstellungen von Menschen mit Migrationshintergrund als der Bevölkerungsanteil vorzuweisen.

Niedersachsen sei es gelungen, den Anteil der Bewerber*innen mit Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren zu steigern – auch mit speziellen Werbekampagnen. 2013 hätten noch 17 Prozent der Bewerber*innen einen Migrationshintergrund gehabt, in den vergangenen beiden Jahren seien es jeweils 21 Prozent gewesen.

Die Zahl der tatsächlich Eingestellten sei 2018 im Vergleich zum Vorjahr jedoch leicht zurückgegangen. 2017 seien noch 13,5 Prozent der Bewerber*innen mit Migrationshintergrund eingestellt worden. Im Vergleich zu 2007 habe sich die Zahl dagegen nahezu verdreifacht. Damals seien nur 4,2 Prozent der Bewerber*innen genommen worden. Es hätten sich jedoch nur neun Prozent beworben.

Dass trotz der stark gestiegenen Bewerberzahl die Quote der eingestellten Menschen mit Migrationshintergrund nicht weiter steigt, könne an der Überprüfung der Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift liegen.

1. Welchen Umfang und welche Dauer hatten die oben genannten Werbekampagnen? Wann fanden sie statt?

2. Warum ging die Zahl der Eingestellten 2018 im Vergleich zum Vorjahr zurück? Wie bewertet die Landesregierung diesen Rückgang?

3. Was machen Berlin und Sachsen-Anhalt anders als Niedersachsen? Warum haben Berlin und Sachsen-Anhalt mehr Bewerber*innen und mehr Einstellungen von Menschen mit Migrationshintergrund als der Bevölkerungsanteil vorzuweisen?

4. Was unternimmt die Landesregierung zur Verbesserung der Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift in Kindertagesstätten und Schulen?

5. Erhöhen nach der Erfahrung der Landesregierung Polizist*innen mit Migrationshintergrund die Akzeptanz der Polizei in migrantischen Communities?

6. Sind nach der Erfahrung der Landesregierung Polizist*innen mit Migrationshintergrund in der Lage, in migrantischen Communities als kulturelle Brückenbauer zu fungieren, oder geraten sie leichter in Loyalitätskonflikte, so dass die Brückenbauer-Funktion gerade beeinträchtigt wird?

Zurück zum Pressearchiv