Große Anfrage Raus aus dem Plastikzeitalter: Meere, Gewässer und Böden schützen!

Bis zum Jahr 2050 könnte es in den Meeren mehr Plastik als Fische geben, davor warnt eine Studie im Auftrag des Weltwirtschaftsforums. Jährlich landen demnach 8 Millionen t Plastik in den Meeren, was einer Müllwagenladung pro Minute entspricht. Schon heute treiben laut der Studie etwa 150 Millionen t Plastik in den Meeren, das entspricht einem Fünftel des Gewichts aller Fischbestände.

Der Plastikverbrauch habe sich der Studie zufolge in den letzten 50 Jahren weltweit verzwanzigfacht, für die kommenden 20 Jahre wird eine weitere Verdoppelung erwartet. Plastikmüll verursache hohe Kosten. Plastikmüll verschmutze die Wasserkreisläufe und beeinträchtige die natürlichen Ökosysteme. Mikroplastik gelange in die Nahrungskette und gefährde die Gesundheit. Diese indirekten Folgen von Plastikmüll würden einen jährlichen Schaden von 40 Milliarden US-Dollar verursachen. Dies übertreffe den Gewinn der Plastikindustrie, so die Autorinnen und Autoren (Ellen MacArthur Foundation, Januar 2016, www3.weforum.org/docs/WEF_The_New_Plastics_Economy.pdf). Dazu käme, dass sich viele Schäden nur schwer monetär bewerten ließen.

Plastikabfälle sind nicht abbaubar und häufen sich in der Umwelt an. Größere Plastikteile werden durch Salzwasser, Brandung und Sonnenstrahlung zerkleinert. Auch durch das Waschen synthetischer Kleidungsstücke, durch Mikroplastik in Kosmetika und durch den Abrieb von Autoreifen gelangen Plastikartikel ins Abwasser. Kleinstplastikteile verteilen sich weltweit in Gewässern. Selbst fernab von besiedelten Gebieten, beispielsweise im arktischen Eis, werden Plastikreste gefunden. Plastikprodukte können Weichmacher und Flammschutzmittel enthalten. Fische und Vögel verwechseln Plastikteile mit Nahrung, und so können diese mitsamt den Schadstoffen in die Nahrungskette gelangen. Bis zum Jahr 2020 sollen die europäischen Meere in einem guten Umweltzustand sein, dieses Ziel gibt die EU-Meeresschutzstrategie (MSRL) vor.

Die MSRL benennt auch das Ziel, die Belastung der Meere durch Abfall zu beenden. Plastik findet sich jedoch nicht nur in Gewässern und Meeren. Durch Überschwemmungen, durch die Ausbringung von Klärschlamm auf Äckern, durch verunreinigten Kompost und Plastikeinsatz in der Landwirtschaft und dem Gartenbau gelangen Plastikteile auch in unsere Böden. Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei warnen, dass kleinste Plastikteilchen auch für Lebewesen an Land eine Bedrohung darstellen und dort sogar noch schädlicher wirken könnten als in Meeren. Mikroplastik könne mit der Bodenfauna interagieren und deren Gesundheit sowie die Bodenfunktion beeinträchtigen. Auch eine Arbeitsgruppe der FU Berlin sieht viele ungeklärte Fragen, beispielsweise ob Plastikpartikel und anhaftende Schadstoffe auch über Ackerpflanzen in die Nahrungskette gelangen können (http://www.igb-berlin.de/news/unterschaetzte-gefahr-mikroplastik-auf-dem-trockenen, www.fu berlin.de/presse/informationen/wissenschaft/2017/201702/microplastics-soil.html).

Die Wissenslücken zu Ausmaß und Verteilung Niedersächsischer Landtag – 18. Wahlperiode Drucksache 18/20092 von Plastikmüll im Boden sind jedoch noch größer als beim Thema Meeresmüll. Schätzungen zufolge ist die Plastikbelastung der Böden je nach Standort 4- bis 23-fach höher als die Verschmutzung der Meere (Horton et al. 2017: Microplastics in freshwater and terrestrial environments. www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28169032).

 

⇒ Die Anfrage im Detail sowie die Antwort der Landesregierung finden Sie auf dieser Seite oben rechts als Download.

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